Aufgetischt

Noch bevor wir umgezogen sind, machte ich mir viele Gedanken, wie ich unser neues Haus einrichten sollte. Eine Interieur Queen bin ich nicht, unsere Einrichtung sicherlich nicht instatauglich, aber schön mag ich es dennoch. Schön für uns eben. Die Wohnung aus der wir auszogen war im Prinzip noch unsere gemeinsame Studentenwohnung, in der wir seit Einzug 10 Jahre vorher nichts geändert hatten. Durch den Hauskauf war nicht übermäßig viel Geld da, also, dachten wir uns, wir könnten einiges selber machen. Ich stöberte viel auf Pinterest und anderen einschlägigen Seiten, so hatte ich mir schnell einen Tisch aus Palletten in den Kopf gesetzt.

Irgendwo hatte ich dann zwei so Teile her (ich glaube aus dem Fundus meiner Eltern), die Anleitung sah leicht aus und ich startete das Projekt. „Ich startete das Projekt“ hieß in meinem Fall, dass ich die Palletten bereit stellte und meinem Mann von dem Vorhaben erzählte, ich jetzt aber Emil wickeln musste und die Garderobe ja auch noch gemacht werden musste. „So soll es aussehen. Ich helfe dir dann, wenn ich meine Sachen fertig habe.“ Und weg war ich.
(Einschub:Ihr müsst wissen, dass mein Mann sehr gerne handwerklich tätig ist, er kann es aber nicht leiden, wenn etwas nicht so funktioniert – was ohne das passende Werkzeug eigentlich vorprogrammiert ist. Ich selber habe für solche die 0, eigentlich sogar minus Ausdauer. Vermutlich laufe ich deshalb auch keinen Marathon.)

Als ich eine Stunde später zurück kam, stand Peter bereits oben ohne schweißüberströmt mit Werkzeug in der Hand in der Einfahrt meiner Eltern (es hatte an die 40 C). Auf meine Frage, wie es lief bekam ich nur ein „pfffffff“. Ich stellte ihm ein Glas Wasser bereit und ein Bier in Aussicht. Wieder einige Zeit später machte sich mein Mann dann ans abschleifen (alles mit der Hand) und er bat mich, dann wenigstens das Einölen zu übernehmen. Meine Garderobe hatte ich in der Zwischenzeit fertig geölt, ich konnte da also gleich weitermachen (Unsere Garderobe ist ein großer Ast, aufgehängt an zwei dicken Hanfschnüren – der Aufwand hielt sich also in Grenzen).

Als ich den Tisch das erste Mal sah, erschrak ich ein bisschen. Er war rießig. Und wenn ich mir dann überlegte, dass es nur ein Sofatisch sein sollte, fand ich das Teil eigentlich nur hässlich. Selbst fünf Schichten Öl später wurde er nicht ansehnlicher. Da ich aber wusste, wie viel Zeit und Schweiß in dem Möbelstück steckten und aus Ermangelung von Alternativen, wurde das Monstrum nun also unser Sofatisch.

Im Haus selber, neben der Couch wirkte er noch klobiger und unförmig. Wir sagten uns, dass dieser Tisch für den Anfang reicht, die Kinder daran spielen können, ohne dass wir Angst haben mussten, ein Designerstück zu vernichten.

So kam es dann auch. Der Tisch dient in erster Linie als Malunterlage. Jeder, der schon einmal ein Kind hat malen gesehen, weiß, dass nur selten wirklich das Papier bunter wird. So wurde es unser Tisch. Umgeschüttetes Wasser, Säfte, Kaba oder Café nimmt das überaus trockene Holz dankbar auf und er hatte die perfekte Höhe für die kleinen Kinderstühle, die ein paar Monate später ebenfalls einzogen. Außerdem ist er die perfekte Verbindung zwischen den Sofaelementen, verwandelt der Boden sich mal wieder schlagartig in glühend heiße Lava oder in einen tiefen Ozean voller gefährlicher Tiere.

Unsere Kinder lieben den Tisch, er ist perfekt. Und das ist er es inzwischen auch für uns. Liebgewonnen, verziert, einmalig und bunt, reich an Erinnerungen und Getränken.

So schnell wird hier kein neues Möbelstück einziehen.

Und zwischen den Holzpaletten findet sich bestimmt noch das ein oder andere Stückchen Keks für später.

 

 

2 Kommentare zu „Aufgetischt

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