Warum wir Gastfamilie sind

Vor einiger Zeit hatten wir einen Termin mit zwei Kunden. Wir unterhielten uns darüber, was man an einem Tag alles so schafft und dass 24 Stunden eigentlich viel zu kurz sein. Mein Kollege meinte, er würde gerne 8 Stunden schlafen, 8 Stunden arbeiten und 8 Stunden für Sport, Lesen, Kunst usw. haben. Ist ja eine ganz nette Vorstellung. Ich habe auf dem nach Hause Weg dann ein bisschen nachgedacht. Ich wäre ja froh, wenn ich meinen Tag nur in drei Teile teilen müsste. 8 Stunden schlafen, 8 Stunden arbeiten und 8 Stunden für mich. Das wäre perfekt.

Als wir vor 5 Jahren entschieden Kinder zu bekommen war mir noch nicht klar, was es für mich bedeuten würde. Ich bin nicht angestellt. Ich bekomme keinen Mutterschaftsurlaub oder kann für ein Jahr in Elternzeit gehen. Als meine Freundin schon längst zu Hause war und sich auf die Ankunft ihres Babys vorbereitete, stand ich noch vor 50 Menschen und hielt ein Training ab. Verrückt? Ja, vielleicht. Schon allein weil es grausam ist in der 35. Schwangerschaftswoche mehrere Stunden zu stehen.

Viel herausfordernder wurde das Ganze aber natürlich nach der Geburt und mit zunehmendem Alter der Kinder. Anfangs haben sie geschlafen und ich konnte arbeiten. Nach und nach fällt ein Schläfchen nach dem anderen weg und die Zeit in der die Kinder Aufmerksamkeit wollen und ich ja auch Zeit mit ihnen verbringen will, wurde immer mehr. Wie sollte das gehen? Bald klar, dass wir uns mit einem AuPair helfen. Als unser erstes AuPair kam wurde vier Wochen später unser jüngster Sohn, Benjamin, geboren. Sie war also erst einmal eine große Hilfe dabei mit Emil zu spielen, wenn ich eben gerade nicht konnte, weil stillen, wickeln oder einfach mal schlafen. Später war Emil vormittags im Kindergarten.
Unser AuPair Ashma ging dann nach den ersten Monaten mit Benji spazieren, damit er schlafen kann. Meist nahm ich sie mit zum Büro, manchmal ist sie auch dort hin gelaufen. Sobald Benji Hunger bekam (und das war häufig, nicht umsonst sieht er aus wie Franz Josef Strauß zu seinen besten Zeiten), ist sie zu mir gekommen, ich habe ihn gestillt, dann hat sie mit ihm im oder in der Nähe vom Büro gespielt.

Das klingt irgendwie grausam, wenn ich es selber so lese. Dennoch war es für mich eine Möglichkeit zu mindestens vormittags einigermaßen ungestört zu arbeiten und mein Kind dennoch in meiner Nähe zu haben. Der Nachmittag ist dann für die Kinder da.

Zur Zeit haben wir kein AuPair. Ein Visum für Deutschland zu bekommen ist nämlich gar nicht so einfach.
Das heißt wir sind auf uns gestellt. Und da merke ich wieder WIE herausvordernd es ist Kinder, Arbeit und Haus zu arrangieren. Unter einen Hut bekomme ich es nicht ohne Hilfe. Mindestens ein Thema fällt unter den Tisch – die Kinder sind es mit Sicherheit nicht. Das heißt im Moment organisieren wir die Betreuung mit Omi und Ur-Omi, ich bleibe zu Hause oder mein Mann legt alles so, dass er später los muss bzw. früher nach Hause kann. Hauptsächlich bin ich aber zu Hause und kümmere mich um die Kinder. Klassisch.

Es ist eine sehr anstrengende Zeit. Und ich freue mich wirklich darauf, wenn uns AuPair bald kommt. Wir warten täglich auf die Info, dass sie zur Botschaft darf. Drückt uns also die Daumen, damit es hier bald wieder etwas runder läuft.

Mehr aus unserem Leben als Gastfamilie erzähle ich euch bei nächster Gelegenheit, wenn unser neues AuPair eine Einreiseerlaubnis erhält.

 

3 Kommentare zu „Warum wir Gastfamilie sind

  1. Ideal wären 3 x 12 Stunden. Man muss nur die Erdumdrehung etwas entschleunigen. 12 Stunden schlafen, sensationell, 12 Stunden arbeiten, mir macht das wirklich großen Spass. Vor allem aber 12 Stunden Freizeit wäre genial. Die Wahrheit, 8 Stunden schlafen, 12 Stunden arbeiten, den Rest der Zeit irgendwie Essen, Sport, Gespräche mit der Familie, da sein für die Kinder und Enkelkinder, … die Zeit reicht nicht hinten, nicht vorne, also fallen Dinge unter den Tisch. Schade, ist aber so. Also priorisieren wir jeden Tag neu.

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  2. Liebe Catharina…Du bringst alles prima unter einen Hut….Leider ist der Hut manchmal schwer zu tragen – aber die Freude mit den Söhnen wiegt alles auf – lässt Flügel wachsen. Weiter so, Vorteil dieses Eures Modell ist, neue Gedanken, neue Lebensmodelle – kreative Umwelt…..Daumen hoch und durch. Charlotte

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